Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klimafreundlich mobil – Wie wir den Weg zur Arbeit grüner machen können“ am 19.11.2020

 awo  

Jan25

Johannes Rußmann ist beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) Referent für Verkehrspolitik und gibt in seinem Vortrag vor allem einen Überblick über den Beitrag des Verkehrssektors zur Klimakrise. Daraus leitet er ab, was für eine umfassende Mobilitätswende in Deutschland bzw. der Europäischen Union passieren muss.

So sei der Verkehrssektor für rund ein Viertel der CO2-Emissionen in der Europäischen Union verantwortlich. Daran mache der Autoverkehr 60% aus. Andere wesentliche Verursacher seien die Zivilluftfahrt (13,4%), Schwerlaster (26,2%) und die Schifffahrt (13,6%). In Deutschland habe der Verkehrssektor seit 1990 als einziger Sektor noch keine Emissionsminderung erreicht. Die Motoren seien zwar effizienter geworden, allerdings würden immer stärkere Motoren verbaut werden, da auch die Autos größer und damit schwerer werden würden. Dies sei ein klassischer Rebound-Effekt.

Dabei stehe der Verkehr vor einer immensen Herausforderung. Im Klimaschutzplan 2050 sei vorgesehen, dass der Verkehrssektor seine Emissionen bis 2030 um 40-42% reduzieren müsse. Bei der Umstellung der Antriebsenergie von PKWs sei Technologieoffenheit unter Berücksichtigung der Energieeffizienz geboten.

Auch im Verkehr mangele es an gleichberechtigter Teilhabe, sodass eine Verkehrswende nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten geboten sei, sondern auch aus sozialen. Viele Gruppen in der Gesellschaft seien von autodominierten Innenstädten benachteiligt. Umweltkosten des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) würden zu einem erheblichen Teil nicht von den Verursacher*innen getragen, sondern von allen. Mit zunehmenden Einkommen steigt die Besitzquote für ein Auto und damit verbunden auch die Emissionen aus der Mobilität.

Aktuell gäbe es kaum ökonomische Anreize für einen ökologischeren und sozialeren Verkehrssektor. So seien bspw. die Kosten für den ÖPNV doppelt so stark gestiegen wie die Kosten für den Kauf und Unterhalt eines PKW.

Klar sei, dass klimaschädliche und ungerechte Subventionen dringend reformiert werden müssten. Als Beispiel nennt Rußmann das Dienstwagenprivileg und die Entfernungspauschale. Diese beiden Instrumente böten Besserverdienenden Steuervorteile. Vielmehr solle das Steuer- und Abgabensystem sozialverträglich und klimafreundlich gestaltet werden und technologische und soziale Innovationen im Gegenzug fördern. Zusätzlich solle der ÖPNV massiv ausgebaut und attraktiver gemacht werden. 40% der PKW-Fahrten seien unter 5km. Daraus leitet sich die Forderung ab aktive Mobilitätsformen (Fahrrad- und Fußverkehr) zu fördern.

Es bedarf individueller und gesellschaftlicher Anstrengungen um das Mobilitätsverhalten zu ändern. So gäbe es bereits jetzt schon zahlreiche Möglichkeiten: E-Bike, Carsharing, Fahrgemeinschaften etc. Das Verhalten ändere sich erst, wenn Gelegenheit, Fähigkeit und Motivation zusammenkommen. Hier könne der Arbeitgeber einen großen Beitrag leisten. Im Rahmen eines betrieblichen Mobilitätsmanagements sei zu überlegen was den Umstieg auf emissionsarme Verkehrsträger befördern könne: ÖPNV-Ticket, Job-Räder, Diensträder, sichere und überdachte Radstellplätze etc. Besonders im ländlichen Raum wo es auch perspektivisch keine Alternative zu E-Autos gäbe, böten Ladepunkte für Mitarbeitende, die durch eine PV-Anlage auf dem Dach des Arbeitgebers versorgt werden, großes Potenzial.

Thomas Diekamp berichtet, dass viele Gliederungen ein Angebot zum Job-Rad einführen möchten. Dieser Wunsch sei auch bereits vielfach aus der Mitarbeitendenschaft gekommen. So sei es auch beim Bezirksverband Westliches Westfalen e.V. gewesen, berichten Janine Janberger und Pierre Ribic. Pro Mitarbeitenden dürfen zwei Fahrräder geleast werden. Mit jedem Mitarbeitenden werde einzeln ein Überlassungsvertrag geschlossen. Obwohl dazu zumindest in diesem Jahr keine erneute Bewerbung stattfand, sei man mittlerweile bei 360 Fahrrädern angelangt. Wer sich mit den beiden Kolleg*innen zum Job-Rad vernetzen möchte, kann sich gerne unter nachhaltigkeit@awo.org an uns wenden.

Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klimaschutz in Managementsystemen“ am 18.11.2020

 awo  

Jan18

Steffen Lembke als Abteilungsleiter Qualitätsmanagement / Nachhaltigkeit im AWO Bundesverband und Projektleiter im Projekt klimafreundlich pflegen macht zunächst noch einmal deutlich, dass die Grundwerte der Arbeiterwohlfahrt Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einen Handlungsauftrag in Sachen Klimaschutz darstellen. So steht die Art wie wir aktuell Wirtschaften im Gegensatz zu diesen Werten. Als Reaktion darauf hat die Staatengemeinschaft 2015 das Pariser Klimaabkommen abgeschlossen. Demnach müssen wir als Bürger in Deutschland von 11 – 12t CO2 pro Kopf im Jahr bis 2050 runter auf 1t.

Vor einer ähnlichen Herausforderung stehen wir in der stationären Pflege. So verursacht ein Pflegeplatz innerhalb der AWO aktuell 7 – 8t CO2 im Jahr. Die notwendige Reduktion könne nur durch das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung gelingen. Einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess lebe eine Organisation durch das wiederkehrende Durchlaufen des PDCA-Zyklus. PDCA stehe für Plan – Do – Check – Act.

Zunächst einmal sei es für die Organisation wichtig zu wissen wo sie steht. Im Bereich des Umweltmanagements in der stationären Pflege könne dies durch den CO2-Fußabdruck für stationäre Pflegeeinrichtungen gelingen. Darauf aufbauend werden Ziele und Maßnahmen für eine Verbesserung der Umweltleistung formuliert. Im „Do“ würden die Maßnahmen umgesetzt. “Check“ sehe vor, dass die Wirkung der Maßnahmen überprüft werde und ggf. angepasst oder neue Maßnahmen und Ziele formuliert werden („Act“).

Im QM-Tandemmodell der AWO sei die Berücksichtigung von nachhaltigem Handeln im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozess in der AWO-Norm „Führung & Organisation“ vorgesehen. Dazu gehöre die Festlegung der Verantwortlichkeit auf Leitungsebene, die Einbindung in die Unternehmenspolitik, die Definition von ausgewählten Nachhaltigkeitsaspekten und deren Einbindung in die Geschäftsprozesse und die Berücksichtigung dieser in der Managementbewertung.

Von den allgemeinen Grundlagen und Strukturen seien die Qualitätsmanagementnorm DIN:EN ISO 9001:2015 und die Umweltmanagementnorm DIN:EN ISO 14001:2015 weitestgehend identisch, sodass es bei einer Integration von Klimaschutz-/Nachhaltigkeitsaspekten lediglich darum ginge, themenspezifische Systemelemente neben denen des Qualitätsmanagements zu stellen.

Im letzten Teil seines Vortrags stellt Steffen Lembke den angesprochenen Fußabdruck als Instrument für eine datenbasierte Herangehensweise im Umweltmanagement vor. So könnten dank einer Datenbank, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurde, Benchmarks der eigenen Kennzahlen Aufschlüsse über Stärken und Schwächen und damit Verbesserungspotentiale geben. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Stromverbrauch pro Bewohner*innenplatz genannt, der verglichen wird mit dem Durchschnitt aus den drei besten Einrichtungen im Erfassungszeitraum und dem Durchschnitt in der AWO. Aus diesen Erkenntnissen könnten Ziele abgeleitet werden, z.B. Reduzierung des Stromverbrauchs pro Pflegeplatz um 20% bis zum Ende des Jahres 2023. Als Hilfestellung habe der AWO Bundesverband „Leitlinien zur Umsetzung von Nachhaltigkeit in AWO-Einrichtungen“ herausgegeben. Diese hätten gängige Nachhaltigkeitsstandards wie den Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder die Gemeinwohlbilanz aus der Gemeinwohlökonomie als Grundlage und zeigten Beispiele für Kennzahlen im Bereich der ökologischen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit.

Den Teilnehmenden sei im Rahmen des Vortrags klar geworden, dass Klimaschutz Organisationsentwicklung bedeute.

Der AWO Bezirksverband Pfalz ist, wie auch der Landesverband Sachsen-Anhalt seit 2019 nach dem Umweltmanagementsystem EMAS validiert. Jasmin Rink, als Qualitätsmanagementbeauftragte (QMB) des Bezirksverbands stellt den Teilnehmenden EMAS aus Sicht der Praxis vor.

Seit dem Pilotprojekt zum Fußabdruck sei die AWO Pfalz an dem Thema dran. Dies hätte den Anstoß zur Einführung eines Umweltmanagementsystems gegeben. Aufgrund der ganzheitlichen Herangehensweise hätte sich der Vorstand für EMAS und gegen ein Energiemanagementsystem entschieden. Im zweiten Schritt sei es um die Einbindung in das bestehende Qualitätsmanagement gegangen, sodass ein integriertes Managementsystem entstand. Top-Down hätte es also die Anweisung zur Umsetzung gegeben, sodass im Verband auf Ebene der Geschäftsführung mithilfe des*der Umweltmanagementbeauftragten und QMB Umweltziele und die Umweltpolitik festgelegt worden seien, während auf Einrichtungsebene Umweltteams zusammen mit der Einrichtungsleitung einrichtungsinterne Umweltziele formulierten und sich um die Umsetzung entsprechender Maßnahmen gekümmert hätten.

Die Mitarbeiter*innen seien sensibilisiert worden und hätten ihre Kompetenz z.B. durch Verbesserungsvorschläge eingebracht. Ein Erfolgsfaktor für die Umsetzung seien die Mitarbeitenden. Sie könnten dadurch mitgenommen werden, dass Ziele erlebbar würden. Als Beispiel nennt Rink hier Bewegungsmelder oder eine verbesserte Mülltrennung.

Ausgebildete Umweltauditor*innen würden dann die Audits, bei EMAS Umweltbetriebsprüfungen genannt, durchführen. Als Herausforderungen, die es zu lösen galt, nennt Jasmin Rink die unterschiedlichen Rhythmen von Abrechnungen, aber auch dem Fußabdruck im Vergleich zu EMAS.
Das Umweltmanagementsystem sei nur erfolgreich, wenn es aktiv gelebt werden würde. Dazu gehörten eine gute Planung und die Mitnahme der Mitarbeitenden durch kontinuierliche Sensibilisierung.

Zu beachten sie die lange Vorlaufzeit. So benötigte der Bezirksverband Pfalz zwei Jahre für den Aufbau der Grundstruktur. Im Vorfeld der Validierung benötige man mindestens 8 Wochen Vorlaufzeit.

Wer sich mit Jasmin Rink über die Praxiserfahrungen austauschen möchte, kann sich gerne unter nachhaltigkeit@awo.org an uns wenden.

Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klimafreundlich (ver-)pflegen“ am 17.11.2020

 awo  

Jan11

Thomas Diekamp begrüßt die Teilnehmenden und weist auf die Erkenntnisse aus dem CO2-Fußabdruck, den alle Projekteinrichtungen erstellt hätten, hin: So ergäben sich 40-50% der Emissionen eines Pflegeheims aus der Verpflegung. Gründe hierfür seien die großen Fleischmengen, Tiefkühl-Lebensmittel und wenig regional erzeugte Lebensmittel. Darüber hinaus könnten die Küchen versuchen saisonaler zu kochen und zumindest einzelne Produkte, wie z.B. Eier nach ökologischer Erzeugung zu kaufen.

Im Bereich der Verpflegung ist während der Projektlaufzeit sehr viel umgesetzt worden. Er habe sich als besonders dynamisch erwiesen. Die Verpflegung sei auch ein Beispiel dafür, dass mit dem Klimaschutz auch andere positive Veränderungen einhergehen könnten. So schätzten die Bewohner*innen die gestiegene Qualität und das Küchenteam habe wieder mehr Spaß an der Arbeit. Zudem sei durch die Umstellungen vielfach die Verpflegung gesünder geworden.

Jana Koltzau ist bei NAHhaft e.V. als Projektmitarbeiterin im Projekt KlimaTeller und für klimafreundliche Großküchen tätig. NAHhaft e.V. setzt sich für eine nachhaltige Ernährungskultur ein. Dafür haben sie den Wirkungsbereich „Nachhaltige Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung“ geschaffen.

Das Projekt KlimaTeller wurde ebenfalls im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) gefördert. In der KlimaTeller App könne die Klimabilanz verschiedener Gerichte gezeigt werden, in dem für die einzelnen Zutaten Emissionswerte hinterlegt sind. Ein Gericht sei dann ein KlimaTeller, wenn es mindestens 50% weniger Emissionen als ein vergleichbares Gericht verursacht. Darüber hinaus seien umfangreiche Materialien für die Kommunikation mit Gästen erarbeitet worden.

KlimaKüche stelle ein Beratungsangebot dar, welches mit einem systematischen Vorgehen zunächst eine Bestandsaufnahme und die Festlegung von Zielen vorsehe, in Kochwerkstätten über Praxiseinheiten Wissen zur klimafreundlichen Küche vermittelt werde und gemeinsam klimafreundliche Speisepläne entwickelt werden. Darüber hinaus könnten auch Konzepte zum Gästedialog erstellt werden. Wer als AWO-Gliederung/-Träger Interesse an dem Beratungsangebot hat, kann sich gerne an den AWO Bundesverband unter nachhaltigkeit@awo.org wenden.

Beispielhaft zeigt Jana Koltzau eine Übersicht, in der häufig verwendete Zutaten in die Kategorien „Gute Wahl“, „Zweite Wahl“ und „Lieber nicht“ eingeteilt sind. Frisches Gemüse oder Hülsenfrüchte seien aufgrund der geringen Emissionen, die die Produktion verursache eine gute Wahl, während zur zweiten Wahl z.B. Reis oder Geflügel zähle. Absehen solle man von fertigen Produkten wie Pommes oder aber Fleisch von Wiederkäuern wie Lamm und Rind, aber auch von Schweinefleisch.

Thomas Fehlner ist Küchenleitung im AWO Seniorenzentrum Antonius Kümmersbruck des Bezirksverband Niederbayern Oberpfalz e.V. Er berichtet über die Ziele und umgesetzten Maßnahmen. Man habe darüber gesprochen die Fleischmenge zu reduzieren, in dem es einen fleischlosen Tag in der Woche gebe. Dies sei aber wieder verworfen worden, da der erwartete Widerstand unter den Bewohner*innen zu groß sei. So habe man festgelegt klimaschädliche Fleischarten wie Schwein und Rind durch klimafreundlichere wie heimisches Geflügel oder Wild zu ersetzen. So konnte der Anteil von Rind an der gesamten Fleischmenge um 15% reduziert werden und der von Schwein um 10%.
Das Geflügel werde nun im Ganzen angeliefert, sodass alle Geflügelteile verwendet würden. Die Tiere würden in der Küche des Seniorenzentrums zerlegt und die Teile eingeschweißt und eingefroren. Aus der Karkasse werde Hühnerbrühe gekocht. Die Berechnungen zeigen, dass das Geflügel vom heimischen Landwirt günstiger sei als die bereits zerlegten Teile über den Großhändler zu beziehen.

Herr Fehlner und sein Team kochen auch für eine AWO-Kita. Hier sei ebenfalls das Ziel gewesen klimafreundlicher zu verpflegen. Gemeinsam mit den Beteiligten seien Anpassungen im Speiseplan vorgenommen worden.

Mittlerweile sei der Kaffee und ungefähr die Hälfte des Tees auf bio-fair umgestellt. Lediglich die angebotenen Bio-Tees würden den Bewohner*innen nicht schmecken, sodass hier auf konventionelle Ware zurückgegriffen werde.

Bei den Lieferanten für die Verpflegung habe man das Ziel gehabt, sich bis auf wenige Ausnahmen von regionalen Dienstleistern beliefern zu lassen. Auch dies sei geglückt. Die Lebensmittel, die häufig angeliefert werden müssten, stammen nicht nur von regionalen Dienstleistern, sondern seien auch regional erzeugt.

Die fotografischen Impressionen zeigen eindrucksvoll die hohe Qualität in der Verpflegung: Ganze Lachse werden filetiert, alle Kuchen werden selbst gebacken und es wird heimisches Wild verarbeitet. Darüber hinaus habe man 20kg Honig von den Bienen geerntet, die auf dem Gelände des Seniorenzentrums stehen. In einem Hochbeet mit geeigneter Höhe für Bewohner*innen im Rollstuhl würden Kräuter und Gemüse angebaut werden. Für 20201 kündigt Herr Fehlner an alle Nudeln, die benötigt werden, selbst herzustellen. Hierzu habe man im November eine Nudelmaschine angeschafft.

Wer sich mit Thomas Fehlner austauschen möchte, kann sich gern unter nachhaltigkeit@awo.org beim AWO Bundesverband melden.

Auch im Seniorenzentrum Grünwinkel sei im Projektzeitraum insbesondere im Bereich der Verpflegung sehr viel passiert. Ein besonderer Anstoß zur Veränderung war, dass zwei Kolleg*innen die vom AWO Bundesverband organisierte Schulung zur klimafreundlichen Verpflegung im Haus Humboldtstein im Rolandseck besuchten. Sie kamen mit vielen Ideen und einer großen Portion Motivation zurück nach Karlsruhe.

Viele Dinge werden nun nicht mehr als Convenience- und/oder Tiefkühlprodukte eingekauft, sondern wieder mehr frische Produkte eingesetzt. So würden Marmeladen oder auch Backwaren wie zum Beispiel Kuchen selber produziert.

Bei den Lieferanten läge durch eine Anpassung der Einkaufspolitik der Fokus auf regionale Anbieter.

Beim Fleisch habe man eine Mengenanpassung vorgenommen und sei nun bei dem maximal empfohlenen Wert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine Seniorenverpflegung: 600g pro Woche und Bewohner*in. Vorher sei man bei einem Kilogramm Fleisch pro Woche und Bewohner*in gewesen. Das fleischlose Menü, welches im Durchschnitt von 25% der Bewohner*innen ausgewählt werde, zeige man im Speisenplan nun immer als Menü 1. Dies könne ein „Nudge“ (kleiner Anstupser) für die Wahl des vegetarischen Menüs sein.

Als Erfolge seien neben der Verringerung der Emissionen und einer gestiegenen Qualität in der Verpflegung auch die optimierten Arbeitsabläufe und mehr Kreativität in der Küche zu nennen. Auch bei den Mitarbeitenden und Bewohner*innen ist die Resonanz in Bezug auf das Projekt positiv. Man habe dadurch ein Alleinstellungsmerkmal im Raum Karlsruhe. Die Attraktivität als Arbeitgeber insbesondere in der jungen Generation sei ebenfalls ein Nutzen aus dem Projekt. Dementsprechend positiv sei die Rückmeldung der Heimaufsicht ausgefallen.

Thomas Diekamp weist darauf hin, dass es in 2021 wieder eine Präsenzfortbildung für den Bereich der Verpflegung geben werde. Darüber hinaus werde ein umfangreicheres Schulungskonzept erarbeitet, welches dann in jeder Region gebucht werden könne. Dabei spiele Verpflegung eine wichtige Rolle.

Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klima in den Köpfen“ am 16.11.2020

 awo  

Jan05

Im Rahmen des Projekts ist die Bewusstseinsbildung für die Notwendigkeit des Klimaschutzes in der AWO bei den Mitarbeitenden, aber auch Bewohner*innen und Angehörigen eines der zentralen Anliegen. Gleichzeitig wird diese Sensibilisierung, die kontinuierlich stattfinden muss, als besonders herausfordernd von den Einrichtungen eingestuft.

Dr. Viola Muster ist am ConPolicy Institut für Verbraucherpolitik und der TU Berlin tätig. Sie spricht über Sensibilisierung für den Klimaschutz und klimafreundlichen Konsum am Arbeitsplatz.
Oft werde von nachhaltigem Konsum gesprochen, wenn die Produkte oder Dienstleistungen ökologische und/oder soziale Vorteile gegenüber gleichartige Produkte oder Dienstleistungen aufweisen würden. Nachhaltiger Konsum im engeren Sinne berücksichtige die Aspekte der inter- und intragenerativen Gerechtigkeit, sprich der Konsum des Produkts unterliegt dem Anspruch, dass damit nicht Bedürfnisse von zukünftigen Generationen oder Menschen in anderen Teilen der Welt in ihrer Bedürfnisbefriedigung eingeschränkt würden. Unser Konsumverhalten sei von individuellen (Bedürfnisse, Fähigkeiten, Werte und Einstellungen und Gewohnheiten und Routinen), sozialen (gesellschaftliche Normen, Familie, peer groups) und institutionellen (Verhaltensanreize, Infrastruktur, Ge- und Verbote) Faktoren abhängig. Die Umweltbewusstseinsstudie, die in regelmäßigen Abständen das Umweltbewusstsein der Deutschen untersucht, zeige, dass es eine erhebliche Lücke zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten gäbe. Umweltfreundliches Verhalten sei aber notwendig, wenn der Pro-Kopf-Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland sinken soll, damit Deutschland seinen Beitrag zum Pariser Klimaabkommen leisten könne. Am Beispiel des Absatzes von Bio-Lebensmitteln zeigt sie, dass zwar der Umsatz davon steige, er aber am gesamten Umsatz in der Lebensmittelbranche mit ca. 5% im Vergleich zum Umweltbewusstsein erstaunlich gering sei.
Die Beschäftigung mit nachhaltigem Konsum am Arbeitsplatz biete große Chancen. So sei der Arbeitsplatz zentraler Alltags- und Lernort und die Wirkungskraft von Institutionen sei größer als die von einzelnen Personen. Darüber hinaus gebe es Potenziale durch Team- und Gruppendynamik. Sie unterscheidet drei Bereiche des klimafreundlichen Konsums: Konsum am Arbeitsplatz, Konsum an der Schnittstelle von Arbeitsplatz und Privatleben und Konsum im Privatleben. Diese Arten von Konsum klimafreundlich zu gestalten, könne durch Informationen (Intranet, Aushänge, Veranstaltungen, Hinweisschilder), finanzielle Unterstützung (Kostenbeteiligung oder –übernahme) oder Service-Angebote (Organisation und Bereitstellung von Unterstützungsangeboten) gefördert werden.

Die Funktion des Arbeitsplatzes als Lernort könne mit vielfältigen Angeboten genutzt werden:
• Infotafeln (z.B. vegetarische Kochtipps, Recyclingtipps)
• Leitungswasser-Karaffen und Sprudelgerät
• Tausch-Ecke
• Aktionstage (z.B. Fahrradtag)
• Fahrradverleih/Car-Sharing/Mitfahr-Brett
• Vergünstigte Job-Tickets für den ÖPNV
• Sammelbestellung für FairTrade /Bio-Produkte
• Pausenversorgung mit Bio -Produkten (z.B. Obstkörbe; Säfte; Joghurt)

Erfolgreich sei Bewusstseinsbildung, wenn die Leitungskräfte dies unterstützten, in dem sie notwendige Ressourcen zur Verfügung stellten, eine Vorbildfunktion einnähmen und Mitarbeiter*innen einbinden und sich wertschätzend gegenüber ihren Ideen / Aktivitäten zeigen würden. Voraussetzung sei aber auch eine institutionelle Glaubwürdigkeit, sprich eine Nachhaltigkeitsstrategie beim Träger sollte formuliert und bekannt gemacht sein.
Als Beispiel berichtet sie über ein Projekt zu „green nudges“. Nudges seien kleine Anstupser, mit denen das Verhalten in eine bestimmte Richtung gelenkt werden könne.

Janine Dietzel, stellvertretende Einrichtungsleitung in der am Projekt beteiligten Einrichtung in Saal a. d. Donau berichtet über die Aktivitäten zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden, Angehörigen und Bewohner*innen. So sei festgelegt worden, dass das Thema als regelmäßiger Tagesordnungspunkt bei Dienstbesprechungen behandelt werde. Unterweisungen und Schulungen von Mitarbeitenden seien um Energie- und Klimathemen erweitert worden. Darüber hinaus würden regelmäßig Artikel in der Hauszeitung erscheinen. Das Thema sei ebenfalls Bestandteil von Speiseplankonferenzen, beim Heimbeirat und auf einem Angehörigenabend angesprochen worden.

Digitale Aktionswoche – Bericht zur Auftaktveranstaltung am 16.11.2020

 awo  

Dez09

Programm:

  1. Grußwort BMin Schulze
  2. Grußwort Wilhelm Schmidt, Präsident der Arbeiterwohlfahrt
  3. Vortrag Katharina Bohnenberger (Uni Duisburg-Essen): „Sorgende Sozialpolitik für Mensch & Planet“

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze lobt in ihrer Video-Botschaft zum Auftakt der Aktionswoche das Engagement der Beschäftigten in der Pflege, welches sie trotz der großen Herausforderungen, die auch schon vor der Corona-Krise in der Pflege bestanden, tagtäglich zeigen. Das AWO Grundsatzprogram zeige, dass der AWO bewusst ist, dass soziale Verantwortung immer auch eine ökologische Dimension habe. Diesem Bekenntnis lasse die AWO unter anderem mit dem Projekt klimafreundlich pflegen Taten folgen. Sie leiste hier Pionierarbeit und sensibilisiere Bewohner*innen, Angehörige und Mitarbeitende für den Klimaschutz. Durch das Beispiel aus der Verpflegung, dass wieder mehr selbst gekocht würde, macht sie deutlich, dass Klimaschutz auch für mehr Qualität und Freude im Arbeitsalltag sorgen könne. Zum Abschluss dankt sie der AWO für ihr Engagement und wünscht eine inspirierende Aktionswoche.

Wilhelm Schmidt, Präsident der Arbeiterwohlfahrt, spricht ebenfalls einige Grußworte zum Auftakt der Aktionswoche. Er macht auf das langjährige Engagement der AWO im Bereich der Nachhaltigkeit aufmerksam und verweist auf das neue Grundsatzprogramm. So sei während des Prozesses der Wunsch einiger Antragsteller*innen aufgekommen einen sechsten Grundwert „Nachhaltigkeit“ aufzunehmen. Es wurde allerdings klar, dass dies nicht notwendig sei, da die Grundwerte der Arbeiterwohlfahrt bereits alle Nachhaltigkeitsaspekte implizieren. Im Wert Gerechtigkeit werde schnell deutlich, dass die Art und Weise wie wir wirtschaften und leben sowohl gegenüber Menschen im globalen Süden als auch zukünftigen Generationen nicht gerecht sei. Dies sei vielen Menschen in der AWO bewusst, sodass es nicht verwundere, dass auf der Kampagnenseite zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen wirarbeitendran.awo.org bereits viele tolle Projekte von AWO-Ehrenamtlichen und / oder AWO-Mitarbeitenden zu finden seien. Ein Blick auf die Seite lohne in jedem Fall. Wilhelm Schmidt wünscht allen Teilnehmenden eine erkenntnisreiche Aktionswoche.

Katharina Bohnenberger ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen. Sie zeigt in ihrem Vortrag auf, warum Klimaschutz für Wohlfahrtsverbände wichtig ist und wie nachhaltige Sozialpolitik Synergien schaffen kann. Dazu hat sie ihren Vortrag in zwei Teile geteilt. Im ersten Teil wird aufgezeigt, wie sehr ökologische Schieflagen auch zu gesellschaftlichen Schieflagen führen können: So lebten die Ärmsten an den unwirtschaftlichsten und gefährlichsten Orten und sind damit häufiger von Überschwemmungen und anderen Extremwetterereignissen betroffen. Bei den zunehmenden Hitzewellen seien insbesondere ältere Menschen, Kinder oder chronisch Kranke besonders verletzlich. So werde klar, dass Umweltschutz zum Schutz der Menschen passiere. Um die ökologischen Gefahren zu begrenzen sei 2015 in Paris das Klimaabkommen verabschiedet worden. Um dieses zu erfüllen, seien technische Lösungen und grünes Wachstum nicht ausreichend. Dazu gesellen muss sich die Strategie der Suffizienz oder auch als Lebensstiländerung bekannt. Genau hier könne Sozialpolitik ansetzen. Bei der Veränderung von Lebensstilen gehe es um Alltagspraxen, die durch Sozialpolitik bestimmt würden, wie z.B. wie z.B. mangelhafter ÖPNV als Beispiel für Lock-In-Emissionen oder das Dienstwagenprivileg als Beispiel für Luxusemissionen. Bei der Frage nach Klimapolitik und sozialer Gerechtigkeit stellten sich drei Gerechtigkeitsfragen:

  1. Wer sind die Verursachenden?
  2. Wer sind die Leidtragenden?
  3. Wer trägt die notwendigen Veränderungen?

Bei der Auflösung dieser Ungerechtigkeiten würden zwei Strategien helfen: Vorsorge & Verteilung. In dem ein Staat die Folgen der Klimakrise durch ambitionierte Klimapolitik begrenze, setze er vorsorgende Sozialpolitik um. Gleichzeitig müssten Verteilungsfragen gestellt werden. Sie sorgen gemäß des Verursacher*innenprinzips dafür, dass Menschen mit hohem Einkommen gleichzeitig hohe Emissionen verursachen und entsprechend stärker an der notwendigen Transformation beteiligt werden. Bei der Frage „Was ist genug?“ hilft das Konzept der Donut-Ökonomie. Als Handlungsrahmen, in dem wir Menschen wirtschaften und leben können, gelten in diesem Konzept die planetaren Grenzen. Nur innerhalb dieser Grenzen könne die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse wie bspw. Essen, aber auch Bildung stattfinden.

Im zweiten Teil werden konkrete Anwendungsfelder für nachhaltige Sozialpolitik benannt. Nachhaltige Sozialpolitik sorge dafür, dass die Bedürfnisdeckung innerhalb der planetaren Grenzen stattfinde. Dabei berücksichtige sie Teilhabe und Verteilungsfragen. Ziel sei die Ermöglichung einer freien Wahl des Lebensstils. Dabei müsse sie gleichzeitig ökonomisch und wachstumsunabhängig durchführbar sein, während sie Anreize zur Transformation setze.

Beispielhaft sei hier das Feld der Ernährung genannt. Hier stehe man vor den Problemen, dass sich die Bevölkerung gleichzeitig ungesund und klimaschädlich ernährt und die Landwirtschaft die Umwelt schädigt. Eine Lösung könnten Gutscheine für saisonale und regionale Lebensmittel sein. Im Bereich der Mobilität zeigt sie ein Beispiel aus Wuppertal. Durch eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums zugunsten des Fuß- und Radverkehrs sei ein physical distancing möglich und das Viertel erheblich lebenswerter.

Sie schließt ihren Vortrag mit einem Fazit:

Es wurde klar, dass nachhaltige Sozialpolitik einen Orientierungsrahmen für einen zukunftsfähigen Wohlfahrtsstaat sein könne. Es gäbe konkrete Synergien zwischen klassischen sozialen Anliegen und neueren sozialökologischen Anliegen: Care-Arbeit sei „grüne“ Arbeit. Durch eine geringere Besteuerung des Faktors Arbeit und einer vermehrten Besteuerung von Ressourcenverbräuchen könnte Care-Arbeit gefördert werden („green work“ & „green social security“). Verteilungsfragen könnten Hand in Hand mit Suffizienzpolitiken gehen. Diese Zusammenhänge würden auch neue Allianzen zwischen Umwelt-, Wohlfahrts- und Sozialverbände erfordern.

Brigitte Döcker und Wilhelm Schmidt loben die Relevanz des Vortrags für den Verband. Es ginge nun darum den Vortrag für den Verband zu „übersetzen“. Sie unterstreichen die Multiplikator*innenfunktion, die die AWO an dieser Stelle spielen könne. So sensibilisiere sie Menschen für diese Themen, die auch bewegt werden könnten, sich politisch einzubringen. Ein weiterer Nutzen könne die Attraktivität als Arbeitgeber sein.

Zum Abschluss wünscht Steffen Lembke, Projektleiter im Projekt klimafreundlich pflegen allen Beteiligten eine aufschlussreiche und interessante Aktionswoche.