Mehr Grün im AWO Sozialzentrum Erlangen

In unserer CAREkonkret Reihe „ So geht Hitzeschutz“ stellen wir über den Sommer verteilt mehrere AWO Einrichtungen vor, die  Hitzeschutz aktiv umsetzen. In Zusammenarbeit mit KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit verfolgt die AWO das Thema Hitzeschutz und trägt es aktiv in ihre Einrichtungen und Kommunen.

Heute befinden wir uns in Erlangen-Büchenbach in Bayern. Die Gegend ist stark städtisch geprägt und heizt sich aufgrund der vielen versiegelten Flächen vor allem im Sommer stark auf. In den letzten Jahren wurden steigende Temperaturen und vermehrte trockene Sommer verzeichnet. Der Klimawandel stellt auch das dort ansässige AWO Sozialzentrum Erlangen vor Herausforderungen. Insbesondere ältere und kranke Menschen sind durch steigende Temperaturen gefährdet. Die Einrichtung beherbergt ca. 180 Personen, darunter Senior*innen in Langzeit- oder Kurzzeitpflege sowie behinderte Menschen. Ein Schwerpunkt der Einrichtung ist die Betreuung besonders unterstützungsbedürftiger Menschen mit Demenz. Zusätzlich werden zwei Spezialbereiche für an MS erkrankte Menschen sowie für schwer Schädel-Hirn-geschädigte Menschen im Wachkoma angeboten. Als besonderes Angebot gilt das Stadtteilprojekt Erlangen-Büchenbach an dem die Einrichtung beteiligt ist. Im Rahmen des Projektes wird den Senior*innen eine Stimme gegeben und sie erhalten die Chance ihren eigenen Stadtteil mitzugestalten. Um ihre Bewohner*innen und auch das Personal vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, wurde der Außenbereich umgestaltet und eine Dachfläche begrünt, um so der Hitzegefahr entgegen zu wirken.

Beliebte Aktivitäten im Innenhof durch Hitze erschwert

Besonders beliebt bei den Senior*innen ist der ca. 1.200m² große Innenhof des AWO Sozialzentrums. Er wird für Feste genauso genutzt wie für therapeutische Angebote im Freien, für Spaziergänge oder als Garten- und Naturerlebnis. Für viele stellt dieser die einzige Möglichkeit dar sich im Freien aufzuhalten oder aktiv zu werden, da er leicht zugänglich ist. Zu den Besonderheiten des Areals zählt ein Aktivparcours mit Sportgeräten, eine Kegelbahn, ein Brunnen und einige Hochbeete. Jedoch wurde die Nutzung des Hofes aufgrund höherer Durchschnittstemperaturen und Zunahme von Hitzeperioden mit starker Sonneneinstrahlung zunehmend erschwert.

Älteren Menschen fällt es schwerer, ihre Körpertemperatur zu regulieren, da die Prozesse verlangsamen und die Fähigkeit der körperlichen Wärmeabgabe abnimmt. Die Folgen sind Kreislaufprobleme, Unwohlsein und allgemeine Schwäche. Die Problematik verschärft sich durch das geringe Durstgefühl von Senior*innen und dem damit einhergehenden geringen Trinkmengen. Eine weitere Gefahr stellen starke Sonnenbrände durch höhere Sonneneinstrahlung dar. Besonders demenzkranke Menschen können diese Gefahren nicht mehr für sich identifizieren. Somit besteht für Ältere, Schwache und Kranke eine ernsthafte Gefahr für Gesundheit und Leben.

Neugestaltung des Innenhofs sorgt für mehr Schatten

Im Rahmen des Förderprogramms „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ des BMUV konnte eine Neugestaltung des Innenhofs finanziert werden. Für mehr Schatten im Innenhof wurden neue Bäume gepflanzt und ein Sonnensegel errichtet. Direkt östlich an den Innenhof angrenzend befindet sich ein eingeschossiger Gebäudekomplex mit Blechdachbebauung. Dieses Flachdach wurde zur Anpassung an das Klima für eine extensive Dachbegrünung genutzt.

Neue Bäume verbessern das Mikroklima

Für die Neubepflanzung wurden die Bäume nach bestimmten Kriterien, u.a. die Standorteignung ausgewählt. Günstige Bedingungen stellten vor allem Standorte mit offenem Boden und guter Bewässerungsmöglichkeit dar. Zusätzlich sollte die Beschattung des Hofes durch die Kronenausbildung berücksichtigt werden. Von der Verschattung des Innenhofs durch zusätzliche Baumpflanzungen profitieren nicht nur die Bewohner*innen, sondern auch Besucher*innen und das Personal der Einrichtung. Auch hier wird das Mikroklima verbessert und die Temperaturen im unmittelbaren Umgriff, sowie die bodennahen Temperaturen zur Mittagszeit reduziert. Allgemein werden ähnliche Effekte, wie durch das Sonnensegel, erzielt. Mit der Ausnahme, dass Bäume direkt zur Luftfilterung beitragen, indem sie Feinstaub und CO­2 binden. Weiterhin erhöhen sie die Biodiversität und bieten beispielsweise Habitate für Insekten und Vögel.

Aktivparcours dank Sonnensegel auch an sonnigen Tagen wieder nutzbar

Um den Aktivparcours besonders vor Sonneneinstrahlung zu schützen, wurde dort ein Sonnensegel angebracht.  Dadurch kann ein Schutz vor direkter und starker Sonneneinstrahlung gewährleistet werden. Zusätzlich trägt es zu einer Verbesserung des Mikroklimas, Reduzierung der Temperaturen im unmittelbaren Umfeld und einer Senkung der bodennahen Temperaturen insbesondere zur Mittagszeit bei. Somit wird eine Nutzung des Aktivparcours auch an sonnigen, wärmeren Tagen mit längerer Verweildauer möglich gemacht. Durch diese Beschattung können gesundheitliche Gefährdungen der Bewohner*innen durch Hitze und Sonneneinstrahlung vermieden und ein allgemeiner Beitrag zur Vermeidung des städtischen Wärmeinseleffekts geleistet werden.

Natürliche Kühlung und mehr Biodiversität auf dem Dach

Auch die Dachbegrünung des Flachdachs des Speisesaals kommt sowohl Bewohner*innen, Besucher*innen und dem Personal zu Gute. Der erzielte Effekt ist eine Verbesserung des Mikroklimas und der allgemeinen Klimatisierung. Durch das pflanzenbesetzte Dach wird eine natürliche Kühlung durch Verschattung und Verdunstung geschaffen, was vor allem zur Klimatisierung des Gebäudes beiträgt. Neben der Reduzierung der gesundheitlichen Gefährdung durch Hitze mindert das „Grüne Dach“ Abflussspitzen bei häufiger werdenden Starkregenereignissen. Darüber hinaus dient es, ähnlich wie die Baumpflanzungen, der Luftfilterung und der Erhöhung der Biodiversität.

Weiterführende Informationen und Handlungsempfehlungen zu Hitzeschutz in der Pflege und im Büro finden Sie hier.

Der originale Artikel erschien am 22. Juli 2022 in der Ausgabe 30 der CAREkonkret.

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