Warum wir klimafreundlicher (ver-)pflegen wollen

Klimaschutz geht alle an. Auf der Grundlage dieser Überzeugung will die AWO gute Pflege in stationären Einrichtungen klimafreundlich gestalten. Das Modellprojekt „klimafreundlich pflegen“ sucht dafür nach Lösungen. Ein Aspekt: die Verpflegung der Bewohner*innen. Dabei zeigt sich: Klimaschutz, Wahlfreiheit der Bewohner*innen und hochwertige, gesunde Verpflegung gehen Hand in Hand.

Das Projekt „klimafreundlich pflegen“ entstand aus dem Bewusstsein und der Verantwortung heraus, dass sich alle wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Bereiche – und damit auch das Sozial- und Gesundheitswesen – mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen müssen. Während sich andere Bereiche bereits den an sie gestellten Herausforderungen gestellt haben, war Klimaschutz in der stationären Pflege bislang kaum ein Thema.

Im Jahr 2018 haben sich daher bundesweit 40 stationäre Einrichtungen der AWO auf den Weg gemacht, um Potentiale für CO2-Einsparungen in ihren Betrieben zu identifizieren.

Dabei wurde festgestellt, dass neben Themen wie Strom, Heizung oder Mobilität auch die Zusammensetzung der Verpflegung eine zentrale Rolle spielt: Wie hoch ist der Anteil an regionaler und saisonaler Kost? Wie hoch der von Tiefkühlware oder Bio-Lebensmitteln? Wie groß ist der durchschnittliche Fleischanteil in den Mahlzeiten? Derartige Fragen können nicht außer Acht gelassen werden, wenn stationäre Einrichtungen den Klimaschutz ernstnehmen und anpacken wollen.

Gleichzeitig geht mit einer möglichen Weiterentwicklung des Verpflegungskonzepts hin zu mehr Klimafreundlichkeit eine hohe Verantwortung einher. Nicht selten stellen die Mahlzeiten für die Bewohner*innen von stationären Einrichtungen einen zentralen Punkt im Tagesablauf dar. Sie erwarten zu Recht eine schmackhafte, genussvolle und abwechslungsreiche Kost. Zudem muss die Verpflegung auch die körperlichen Bedürfnisse und die Gesundheit der Bewohner*innen berücksichtigen – denn auch das ist Grundlage für Wohlbefinden und hohe Lebensqualität.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine Wochenmenge von 300-600g Fleisch. Nach aktuellem Stand wird diese Menge in Deutschland regelmäßig um nahezu das Doppelte überschritten. Auch in der stationären Pflege. Die gesundheitlichen Auswirkungen dieses zu hohen Fleischkonsums sind nicht zu vernachlässigen und erfordern ein Umdenken. Eine schrittweise Reduzierung von Fleischanteilen in der Verpflegung durch eine Ergänzung um attraktive und frische vegetarische Angebote verbindet somit Gesundheit, Wohlbefinden und Klimaschutz.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beteiligung der Bewohner*innen und deren Angehöriger. Grundsätzlich ist die Erfassung der Bedürfnisse und Wünsche der pflegebedürftigen Menschen bzw. die Auswertung von Rückmeldungen ein zentrales Element für die Planung der Verpflegung. Dies ist u.a. über die Vorgaben des AWO-Qualitätsmanagements als fester Bestandteil unserer Pflegekonzeption geregelt und bildet auch die Grundlage für Überlegungen zur klimafreundlicheren Verpflegung.

Darüber hinaus hat für die AWO im Rahmen einer personen-zentrierten Pflege Wahlfreiheit eine hohe Bedeutung. Das kann sich z.B. in einem Angebot zwischen mehreren fleischhaltigen oder vegetarischen Angeboten ausdrücken. Oft führt schon die reine Wahlmöglichkeit dazu, dass die Nachfrage nach Mahlzeiten mit Fleisch von selbst zurückgeht. Denn nicht selten kommen vegetarische Gerichte den Bedürfnissen der Bewohner*innen nicht nur in Bezug auf Konsistenz und Bekömmlichkeit entgegen, sondern entsprechen durchaus ihren Ess-Gewohnheiten: Biografieorientierte und traditionelle Küche kann neben einem rheinischen Sauerbraten eben auch Reibekuchen bedeuten. Klimafreundliche und bedürfnisorientierte gesunde Verpflegung können problemlos Hand in Hand gehen.

Ein Problem zeigt sich an ganz anderer Stelle: Hochwertige, gesunde und klimaverträgliche (Bio-)Verpflegung hat ihren Preis. Bis jetzt berücksichtigen Pflegesätze diese und weitere Aspekte des Klimaschutzes noch nicht ausreichend. Hier muss es ein Umdenken geben.

Die Klimakrise stellt unsere Gesellschaft vor große Umbrüche. Die AWO hat sich 2016 in einem Bundeskonferenzbeschluss zum Pariser Klimaschutzabkommen bekannt und ihre eigene Verantwortung als Trägerin von 18.000 Einrichtungen und Diensten betont. Als AWO nehmen wir die Herausforderung an, den CO2-Ausstoß maßgeblich zu reduzieren und dabei die Qualität unserer Dienstleistungen sowie Gesundheit und Wohlergehen der von uns unterstützen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.