Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klimaschutz in Managementsystemen“ am 18.11.2020

Steffen Lembke als Abteilungsleiter Qualitätsmanagement / Nachhaltigkeit im AWO Bundesverband und Projektleiter im Projekt klimafreundlich pflegen macht zunächst noch einmal deutlich, dass die Grundwerte der Arbeiterwohlfahrt Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einen Handlungsauftrag in Sachen Klimaschutz darstellen. So steht die Art wie wir aktuell Wirtschaften im Gegensatz zu diesen Werten. Als Reaktion darauf hat die Staatengemeinschaft 2015 das Pariser Klimaabkommen abgeschlossen. Demnach müssen wir als Bürger in Deutschland von 11 – 12t CO2 pro Kopf im Jahr bis 2050 runter auf 1t.

Vor einer ähnlichen Herausforderung stehen wir in der stationären Pflege. So verursacht ein Pflegeplatz innerhalb der AWO aktuell 7 – 8t CO2 im Jahr. Die notwendige Reduktion könne nur durch das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung gelingen. Einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess lebe eine Organisation durch das wiederkehrende Durchlaufen des PDCA-Zyklus. PDCA stehe für Plan – Do – Check – Act.

Zunächst einmal sei es für die Organisation wichtig zu wissen wo sie steht. Im Bereich des Umweltmanagements in der stationären Pflege könne dies durch den CO2-Fußabdruck für stationäre Pflegeeinrichtungen gelingen. Darauf aufbauend werden Ziele und Maßnahmen für eine Verbesserung der Umweltleistung formuliert. Im „Do“ würden die Maßnahmen umgesetzt. “Check“ sehe vor, dass die Wirkung der Maßnahmen überprüft werde und ggf. angepasst oder neue Maßnahmen und Ziele formuliert werden („Act“).

Im QM-Tandemmodell der AWO sei die Berücksichtigung von nachhaltigem Handeln im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozess in der AWO-Norm „Führung & Organisation“ vorgesehen. Dazu gehöre die Festlegung der Verantwortlichkeit auf Leitungsebene, die Einbindung in die Unternehmenspolitik, die Definition von ausgewählten Nachhaltigkeitsaspekten und deren Einbindung in die Geschäftsprozesse und die Berücksichtigung dieser in der Managementbewertung.

Von den allgemeinen Grundlagen und Strukturen seien die Qualitätsmanagementnorm DIN:EN ISO 9001:2015 und die Umweltmanagementnorm DIN:EN ISO 14001:2015 weitestgehend identisch, sodass es bei einer Integration von Klimaschutz-/Nachhaltigkeitsaspekten lediglich darum ginge, themenspezifische Systemelemente neben denen des Qualitätsmanagements zu stellen.

Im letzten Teil seines Vortrags stellt Steffen Lembke den angesprochenen Fußabdruck als Instrument für eine datenbasierte Herangehensweise im Umweltmanagement vor. So könnten dank einer Datenbank, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurde, Benchmarks der eigenen Kennzahlen Aufschlüsse über Stärken und Schwächen und damit Verbesserungspotentiale geben. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Stromverbrauch pro Bewohner*innenplatz genannt, der verglichen wird mit dem Durchschnitt aus den drei besten Einrichtungen im Erfassungszeitraum und dem Durchschnitt in der AWO. Aus diesen Erkenntnissen könnten Ziele abgeleitet werden, z.B. Reduzierung des Stromverbrauchs pro Pflegeplatz um 20% bis zum Ende des Jahres 2023. Als Hilfestellung habe der AWO Bundesverband „Leitlinien zur Umsetzung von Nachhaltigkeit in AWO-Einrichtungen“ herausgegeben. Diese hätten gängige Nachhaltigkeitsstandards wie den Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder die Gemeinwohlbilanz aus der Gemeinwohlökonomie als Grundlage und zeigten Beispiele für Kennzahlen im Bereich der ökologischen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit.

Den Teilnehmenden sei im Rahmen des Vortrags klar geworden, dass Klimaschutz Organisationsentwicklung bedeute.

Der AWO Bezirksverband Pfalz ist, wie auch der Landesverband Sachsen-Anhalt seit 2019 nach dem Umweltmanagementsystem EMAS validiert. Jasmin Rink, als Qualitätsmanagementbeauftragte (QMB) des Bezirksverbands stellt den Teilnehmenden EMAS aus Sicht der Praxis vor.

Seit dem Pilotprojekt zum Fußabdruck sei die AWO Pfalz an dem Thema dran. Dies hätte den Anstoß zur Einführung eines Umweltmanagementsystems gegeben. Aufgrund der ganzheitlichen Herangehensweise hätte sich der Vorstand für EMAS und gegen ein Energiemanagementsystem entschieden. Im zweiten Schritt sei es um die Einbindung in das bestehende Qualitätsmanagement gegangen, sodass ein integriertes Managementsystem entstand. Top-Down hätte es also die Anweisung zur Umsetzung gegeben, sodass im Verband auf Ebene der Geschäftsführung mithilfe des*der Umweltmanagementbeauftragten und QMB Umweltziele und die Umweltpolitik festgelegt worden seien, während auf Einrichtungsebene Umweltteams zusammen mit der Einrichtungsleitung einrichtungsinterne Umweltziele formulierten und sich um die Umsetzung entsprechender Maßnahmen gekümmert hätten.

Die Mitarbeiter*innen seien sensibilisiert worden und hätten ihre Kompetenz z.B. durch Verbesserungsvorschläge eingebracht. Ein Erfolgsfaktor für die Umsetzung seien die Mitarbeitenden. Sie könnten dadurch mitgenommen werden, dass Ziele erlebbar würden. Als Beispiel nennt Rink hier Bewegungsmelder oder eine verbesserte Mülltrennung.

Ausgebildete Umweltauditor*innen würden dann die Audits, bei EMAS Umweltbetriebsprüfungen genannt, durchführen. Als Herausforderungen, die es zu lösen galt, nennt Jasmin Rink die unterschiedlichen Rhythmen von Abrechnungen, aber auch dem Fußabdruck im Vergleich zu EMAS.
Das Umweltmanagementsystem sei nur erfolgreich, wenn es aktiv gelebt werden würde. Dazu gehörten eine gute Planung und die Mitnahme der Mitarbeitenden durch kontinuierliche Sensibilisierung.

Zu beachten sie die lange Vorlaufzeit. So benötigte der Bezirksverband Pfalz zwei Jahre für den Aufbau der Grundstruktur. Im Vorfeld der Validierung benötige man mindestens 8 Wochen Vorlaufzeit.

Wer sich mit Jasmin Rink über die Praxiserfahrungen austauschen möchte, kann sich gerne unter nachhaltigkeit@awo.org an uns wenden.