Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klimafreundlich mobil – Wie wir den Weg zur Arbeit grüner machen können“ am 19.11.2020

Johannes Rußmann ist beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) Referent für Verkehrspolitik und gibt in seinem Vortrag vor allem einen Überblick über den Beitrag des Verkehrssektors zur Klimakrise. Daraus leitet er ab, was für eine umfassende Mobilitätswende in Deutschland bzw. der Europäischen Union passieren muss.

So sei der Verkehrssektor für rund ein Viertel der CO2-Emissionen in der Europäischen Union verantwortlich. Daran mache der Autoverkehr 60% aus. Andere wesentliche Verursacher seien die Zivilluftfahrt (13,4%), Schwerlaster (26,2%) und die Schifffahrt (13,6%). In Deutschland habe der Verkehrssektor seit 1990 als einziger Sektor noch keine Emissionsminderung erreicht. Die Motoren seien zwar effizienter geworden, allerdings würden immer stärkere Motoren verbaut werden, da auch die Autos größer und damit schwerer werden würden. Dies sei ein klassischer Rebound-Effekt.

Dabei stehe der Verkehr vor einer immensen Herausforderung. Im Klimaschutzplan 2050 sei vorgesehen, dass der Verkehrssektor seine Emissionen bis 2030 um 40-42% reduzieren müsse. Bei der Umstellung der Antriebsenergie von PKWs sei Technologieoffenheit unter Berücksichtigung der Energieeffizienz geboten.

Auch im Verkehr mangele es an gleichberechtigter Teilhabe, sodass eine Verkehrswende nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten geboten sei, sondern auch aus sozialen. Viele Gruppen in der Gesellschaft seien von autodominierten Innenstädten benachteiligt. Umweltkosten des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) würden zu einem erheblichen Teil nicht von den Verursacher*innen getragen, sondern von allen. Mit zunehmenden Einkommen steigt die Besitzquote für ein Auto und damit verbunden auch die Emissionen aus der Mobilität.

Aktuell gäbe es kaum ökonomische Anreize für einen ökologischeren und sozialeren Verkehrssektor. So seien bspw. die Kosten für den ÖPNV doppelt so stark gestiegen wie die Kosten für den Kauf und Unterhalt eines PKW.

Klar sei, dass klimaschädliche und ungerechte Subventionen dringend reformiert werden müssten. Als Beispiel nennt Rußmann das Dienstwagenprivileg und die Entfernungspauschale. Diese beiden Instrumente böten Besserverdienenden Steuervorteile. Vielmehr solle das Steuer- und Abgabensystem sozialverträglich und klimafreundlich gestaltet werden und technologische und soziale Innovationen im Gegenzug fördern. Zusätzlich solle der ÖPNV massiv ausgebaut und attraktiver gemacht werden. 40% der PKW-Fahrten seien unter 5km. Daraus leitet sich die Forderung ab aktive Mobilitätsformen (Fahrrad- und Fußverkehr) zu fördern.

Es bedarf individueller und gesellschaftlicher Anstrengungen um das Mobilitätsverhalten zu ändern. So gäbe es bereits jetzt schon zahlreiche Möglichkeiten: E-Bike, Carsharing, Fahrgemeinschaften etc. Das Verhalten ändere sich erst, wenn Gelegenheit, Fähigkeit und Motivation zusammenkommen. Hier könne der Arbeitgeber einen großen Beitrag leisten. Im Rahmen eines betrieblichen Mobilitätsmanagements sei zu überlegen was den Umstieg auf emissionsarme Verkehrsträger befördern könne: ÖPNV-Ticket, Job-Räder, Diensträder, sichere und überdachte Radstellplätze etc. Besonders im ländlichen Raum wo es auch perspektivisch keine Alternative zu E-Autos gäbe, böten Ladepunkte für Mitarbeitende, die durch eine PV-Anlage auf dem Dach des Arbeitgebers versorgt werden, großes Potenzial.

Thomas Diekamp berichtet, dass viele Gliederungen ein Angebot zum Job-Rad einführen möchten. Dieser Wunsch sei auch bereits vielfach aus der Mitarbeitendenschaft gekommen. So sei es auch beim Bezirksverband Westliches Westfalen e.V. gewesen, berichten Janine Janberger und Pierre Ribic. Pro Mitarbeitenden dürfen zwei Fahrräder geleast werden. Mit jedem Mitarbeitenden werde einzeln ein Überlassungsvertrag geschlossen. Obwohl dazu zumindest in diesem Jahr keine erneute Bewerbung stattfand, sei man mittlerweile bei 360 Fahrrädern angelangt. Wer sich mit den beiden Kolleg*innen zum Job-Rad vernetzen möchte, kann sich gerne unter nachhaltigkeit@awo.org an uns wenden.