Digitale Aktionswoche – Bericht zur Veranstaltung „Klima in den Köpfen“ am 16.11.2020

Im Rahmen des Projekts ist die Bewusstseinsbildung für die Notwendigkeit des Klimaschutzes in der AWO bei den Mitarbeitenden, aber auch Bewohner*innen und Angehörigen eines der zentralen Anliegen. Gleichzeitig wird diese Sensibilisierung, die kontinuierlich stattfinden muss, als besonders herausfordernd von den Einrichtungen eingestuft.

Dr. Viola Muster ist am ConPolicy Institut für Verbraucherpolitik und der TU Berlin tätig. Sie spricht über Sensibilisierung für den Klimaschutz und klimafreundlichen Konsum am Arbeitsplatz.
Oft werde von nachhaltigem Konsum gesprochen, wenn die Produkte oder Dienstleistungen ökologische und/oder soziale Vorteile gegenüber gleichartige Produkte oder Dienstleistungen aufweisen würden. Nachhaltiger Konsum im engeren Sinne berücksichtige die Aspekte der inter- und intragenerativen Gerechtigkeit, sprich der Konsum des Produkts unterliegt dem Anspruch, dass damit nicht Bedürfnisse von zukünftigen Generationen oder Menschen in anderen Teilen der Welt in ihrer Bedürfnisbefriedigung eingeschränkt würden. Unser Konsumverhalten sei von individuellen (Bedürfnisse, Fähigkeiten, Werte und Einstellungen und Gewohnheiten und Routinen), sozialen (gesellschaftliche Normen, Familie, peer groups) und institutionellen (Verhaltensanreize, Infrastruktur, Ge- und Verbote) Faktoren abhängig. Die Umweltbewusstseinsstudie, die in regelmäßigen Abständen das Umweltbewusstsein der Deutschen untersucht, zeige, dass es eine erhebliche Lücke zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten gäbe. Umweltfreundliches Verhalten sei aber notwendig, wenn der Pro-Kopf-Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland sinken soll, damit Deutschland seinen Beitrag zum Pariser Klimaabkommen leisten könne. Am Beispiel des Absatzes von Bio-Lebensmitteln zeigt sie, dass zwar der Umsatz davon steige, er aber am gesamten Umsatz in der Lebensmittelbranche mit ca. 5% im Vergleich zum Umweltbewusstsein erstaunlich gering sei.
Die Beschäftigung mit nachhaltigem Konsum am Arbeitsplatz biete große Chancen. So sei der Arbeitsplatz zentraler Alltags- und Lernort und die Wirkungskraft von Institutionen sei größer als die von einzelnen Personen. Darüber hinaus gebe es Potenziale durch Team- und Gruppendynamik. Sie unterscheidet drei Bereiche des klimafreundlichen Konsums: Konsum am Arbeitsplatz, Konsum an der Schnittstelle von Arbeitsplatz und Privatleben und Konsum im Privatleben. Diese Arten von Konsum klimafreundlich zu gestalten, könne durch Informationen (Intranet, Aushänge, Veranstaltungen, Hinweisschilder), finanzielle Unterstützung (Kostenbeteiligung oder –übernahme) oder Service-Angebote (Organisation und Bereitstellung von Unterstützungsangeboten) gefördert werden.

Die Funktion des Arbeitsplatzes als Lernort könne mit vielfältigen Angeboten genutzt werden:
• Infotafeln (z.B. vegetarische Kochtipps, Recyclingtipps)
• Leitungswasser-Karaffen und Sprudelgerät
• Tausch-Ecke
• Aktionstage (z.B. Fahrradtag)
• Fahrradverleih/Car-Sharing/Mitfahr-Brett
• Vergünstigte Job-Tickets für den ÖPNV
• Sammelbestellung für FairTrade /Bio-Produkte
• Pausenversorgung mit Bio -Produkten (z.B. Obstkörbe; Säfte; Joghurt)

Erfolgreich sei Bewusstseinsbildung, wenn die Leitungskräfte dies unterstützten, in dem sie notwendige Ressourcen zur Verfügung stellten, eine Vorbildfunktion einnähmen und Mitarbeiter*innen einbinden und sich wertschätzend gegenüber ihren Ideen / Aktivitäten zeigen würden. Voraussetzung sei aber auch eine institutionelle Glaubwürdigkeit, sprich eine Nachhaltigkeitsstrategie beim Träger sollte formuliert und bekannt gemacht sein.
Als Beispiel berichtet sie über ein Projekt zu „green nudges“. Nudges seien kleine Anstupser, mit denen das Verhalten in eine bestimmte Richtung gelenkt werden könne.

Janine Dietzel, stellvertretende Einrichtungsleitung in der am Projekt beteiligten Einrichtung in Saal a. d. Donau berichtet über die Aktivitäten zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden, Angehörigen und Bewohner*innen. So sei festgelegt worden, dass das Thema als regelmäßiger Tagesordnungspunkt bei Dienstbesprechungen behandelt werde. Unterweisungen und Schulungen von Mitarbeitenden seien um Energie- und Klimathemen erweitert worden. Darüber hinaus würden regelmäßig Artikel in der Hauszeitung erscheinen. Das Thema sei ebenfalls Bestandteil von Speiseplankonferenzen, beim Heimbeirat und auf einem Angehörigenabend angesprochen worden.